Vereinsgeschichte des Sportvereins

Fußballclub 1909 Böhringen e.V.

Helga Keller, Knut Keller, Manfred Schmutzler

 

Im Jahre 1909 regte sich erstmals auch bei der Jugend in Böhringen das Bestreben, dem Rasensport und in erster Linie dem heute nicht mehr wegzudenkenden Fußballspiel den Weg zu öffnen. Einige fußballbegeisterte Burschen hatten sich kameradschaftlich zusammengefunden und trotz stärkster Gegenwehr der damaligen älteren Generation - so viel erspart, daß es zum Kauf eines neuen Rindlederballs reichte. Dieser Ball war damals bei Karl Schmutz, einem Sohn des Sonnenwirtes, untergebracht und wurde wie ein Heiligtum behandelt und gepflegt.

 

Nach kurzer Zeit hatten sich so viele Fußballinteressenten gefunden, daß man den vereinsmäßigen Zusammenschluß wagen konnte. So traf man sich an einem Abend im Mai des Jahres 1909 im Restaurant Vogel in Böhringen und gründete den Sportverein. Folgende Vorstandschaft wurde zunächst ernannt: Karl Schmutz (Vorstand und zugleich Spielführer), Senes Honsell (Schriftführer), Hermann Schmal (Kassier) und Johann Wick (Vereinsdiener).  Als weitere Mitglieder trugen sich ein: Karl Baumgärtner, Alois Tress, Karl Veser, Johann Baumgärtner, Johann Wick, Friedrich Schaflhäutie, Johann Moser, Franz Schmidt und A. Werner.

 

Der Spielbetrieb wurde in den Riedwiesen an der Aach aufgenommen. Stand das Wasser dort zu hoch, wurde schnellstens ein anderes Plätzchen ausgesucht. Die erste Fußballgarnitur war zeitentsprechend bei den Aktiven als ärmlich und notdürftig anzusehen. Schwarze Hosen und weiße Hemdchen, auch heute noch die Vereinsfarben, waren damals von den Müttern, Schwestern oder Bräuten oftmals heimlich zugeschneidert worden. Die ältere Generation hatte immer noch keinen Gefallen an der verpönten Sportart gefunden.

 

Bis zum Beginn des ersten Weltkriegs wurde die Kameradschaft der jungen Burschen des öfteren auf harte Proben gestellt.  Sei es durch öfteren Platzwechsel, Streit mit den Eltern oder mit anderen Vereinen. Der erste Weltkrieg und die Revolution brachten dann eine unvermeidliche Krise im Mannschaftsgefüge.  Trotz aller Schrecken der Vergangenheit fanden sich nach dem Ende der ganzen Wirren die zurückgekehrten Sportler wieder zusammen. Der Anfang war schwer, sogar ein Ball mußte erst wieder vom FC Radolfzeil 03 erhandelt werden.  Eine neue Wiese wurde von Herrn Wuille de Bille zur Verfügung gestellt. Am 30. Januar 1921 konnte dann der Sportverein neu gegründet werden. Dies geschah im Gasthaus Friedrichsheim. Die Gründer waren u. a.: A. Weiß, F. Treß, F. Stecher, 0. Vogel, S. Honsell, A. Amann, A. Schmidt, J. Weidele, E. Erne, A. Gallmann, A. Tress, 0. Kölmel, P. Treß, F. Gallmann, F. Bader, F. Schafhäutle, J. Schmidt, E. Pflumm.

 

Nach Albert Weiß und Franz Tress in den Jahren 1921 und 1922 übernahm dann Senes Honsell für längere Zeit den Posten des 1. Vorsitzenden. Unter Vorstand Honseil erhielt der Verein damals großen Auftrieb und gewann an Ansehen.

 

Nach langem, schwierigem Suchen stellte am 28. Oktober 1922 Dr. Curtius vom Weiherhof die Kiesgrube an der Singener Straße dem Verein als Geschenk zur Verfügung. Mit einer Rollbahn der Ziegeleiwerke Böhringen ging es dann sofort an den Bau des lang ersehnten Sportplatzes.  Natürlich wurde alles in Eigenarbeit geschaffen.

Am 1 1. Mai 1924 wurde die Sportplatzeinweihung gefeiert.

 

In den nächsten Jahren leiteten nacheinander Fritz Neidhart (1924-1926), Josef Motz (1926-1928), Oskar Kronenbitter (1 928-1932), Otto Vogel (1 932-1934) und Richard Waldraff (1934-1939) mit ihren treuen Helfern die Geschicke des FC 09 Böhringen.

 

Im Jahre 1935 wurden dem Fußbalielub die Rechte am eigens erschaffenen Sportplatz wieder aberkannt, da der "SA-Reitersturm" den Platz als Übungsstätte benötigte. Der 2. Weltkrieg brachte erneut große Sorgen und Ängste, sowie Vernichtung und Tod mit sich. Natürlich blieben auch hier die Männer des Fußballclubs nicht verschont.

 

Nach Kriegsende wurde der Sportbetrieb in der französischen Besatzungszone grundlegend geändert. Im Jahre 1946 kam es zu dem von der französischen Militärregierung befohlenen Zusammenschluß des Fußballclubs mit dem Turnverein 03 Böhringen. Hieraus ging dann der »TUS 03« Böhringen mit den Abteilungen Turnen, Fußball, Handball, Leichtathletik und Frauengymnastik hervor. Der zusammengeschlossene Verein konnte große Erfolge auf allen Gebieten des Sportes erzielen. Auch in kultureller Hinsicht war der »TUS 03« bald der führende Verein im Ort. Die Fußballer stiegen in dieser Zeit bis in die A-Klasse auf. Der größte Erfolg war die Erweiterung des damaligen Sportplatzes.

 

Doch trotz aller Bemühungen überlebte die Fusion das verflixte 7. Jahr ihrer Ehe nicht und am 24. Juni 1953 wurde im Gasthof Kranz wieder der FC 09 Böhringen neu gegründet. Das erste Protokoll des wiedererstandenen Fußballclubs verzeichnete Alfred Ringelband als 1. Vorsitzenden, Fritz Neidhart als 2. Vorsitzenden, Karl Wallrafen als Hauptschriftführer, Paul Reber als Kassier, Toni Wendel als Sportleiter und Senes Honsell als Ehrenpräsident.

 

Der FC 09 Böhringen hatte bei seiner Wiedererstehung einen riesenhaften Aufschwung zu verzeichnen. Die Mitgliederzahl, welche bei Neugründung 67 betrug, erreichte den beachtlichen Stand von 286 Mitgliedern im Jubiläumsjahr 1969. Am Spielbetrieb nahmen 7 Mannschaften teil sowie 2 Mannschaften einer neugegründeten Tischtennisabteilung. Diese wurde allerdings 1974 aufgrund Spielermangel wieder aufgelöst.

 

Im Winter wurde Theater gespielt, im Sommer Gartenfeste veranstaltet. In den Jahren 1970 und 1971 wurden Emil Morlock, Josef Weidele und Anton Wendel zu Ehrenmitgliedern ernannt.

 

Am 12. März 1971 ging ein großer Wunsch der Mannschaften in Erfüllung, konnte doch der 1. Clubraum im Keller der Turnhalle seiner Bestimmung übergeben werden. Im gleichen Jahr wurde der Rasenplatz neu hergerichtet sowie mit dem Bau des Hartplatzes begonnen. Diese Einrichtung war unbedingt notwendig geworden. Am 30. Juli 1972 konnte der renovierte Rasenplatz und am 11. November 1973 der neu erbaute Hartplatz an die Fußballer des FC 09 Böhringen übergeben werden.

 

Die 1. Mannschaft hatte nach den Wechselbädern der Anfangsjahre nun in den letzten Jahren zu einer bemerkenswerten und stabilen Form gefunden: 1962 Aufstieg in die A-Klasse Bodensee, 1967 Abstieg in die B-Klasse, 1969 Aufstieg in die A-Klasse, 1970 Abstieg in die B-Klasse, 1973 Aufstieg in die A-Klasse, 1976 Aufstieg in die Landesliga.

 

Der Aufstieg in die Landesliga und die Zugehörigkeit nun schon im 17. Jahr sind und müssen als bedeutender Meilenstein in der Chronik des FC Böhringen verzeichnet werden.

 

Ebenfalls aus der damaligen Zeit ist die hervorragende Jugendarbeit des FC Böhringen 09 unter der Führung von Paul Kehrer (1969-1983) hervorzuheben. Es konnten viele Meisterschaften errungen werden.

 

Nach 10 Jahren erfolgreicher Führungsarbeit stellte sich 1974 der 1. Vorsitzende Manfred Schmutzler nicht mehr zur Wahl. Er wurde daraufhin mittels einer Satzungsänderung zum ersten und bisher einzigen Präsidenten des FC 09 gewählt. Er hatte dieses Amt bis 1991 inne. Karl Ritsche, Rudi Pecher und Friedhelm Kuß wurden in der damaligen Generalversammlung mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet.

 

Im 70jährigen Jubeljahr des Clubs wurden dann Karl Pfau, Erwin Sieber und Rupprecht Mertz zu Ehrenmitgliedern ernannt. Gleichzeitig erhielten die Ehrennadel in Gold:

Jakob Schäfer, Paul Kehrer, Anton Räffle, Alfred Honz, Gottlob Ruck, Karl Leuze, Rudi Murst, Hans Keck und Friedrich Uhl.

 

Im Jahre 1982 beschloß der Ortschaftsrat Böhringen die Überlassung der Hausmeisterwohnung an den FC Böhringen. In Eigenarbeit wurde damals ein Clubheim errichtet, welches am 29.  April 1983 eingeweiht werden konnte.

 

Im Jahre 1993 wurde ein langgehegter Wunsch des FC Böhringen erfüllt und der bisherige Hartplatz in einen Rasenplatz umgewandelt. Spürbar ist die Begeisterung der Kinder und Jugendlichen am Fußball zurückgegangen. Ein Zeichen dafür, daß die Angebote für die Freizeit immer größer werden und viele Jugendliche und Erwachsene das Miteinander, das ein Mannschaftssport mit sich bringt, nicht mehr suchen. Doch der FC Böhringen ist im jetzigen Zeitpunkt noch ein gesunder Verein, der hofft, auch in der Zukunft seinen aktiven und passiven Mitgliedern durch sein Engagement die Freude am Fußballspiel zu erhalten.

 

1.       Vorsitzende des FC 09 Böhringen

 

     1953-1956          Alfred Ringelband

     1956-1961          Karl Wallrafen

     1961-1963          Anton Wendel

     1963-1965          Hans Keck

     1965-1975          Manfred Schmutzler

     1975-1978          Wolfgang Brinken

     1978-1983          Harald Pfau

     1983-1987          Werner Krug

     1987-1993          Hermann Heiser

     seit 1993             Helga Keller

 

 

Vereinsgeschichte des Sportvereins Fußballclub 1909 Böhringen e.V. bis 1993 wurde entnommen aus dem Buch:

„Böhringen, Geschichte einer Landgemeinde zwischen Untersee und Hegau", von Peter Hirscher